Saudi-Arabien : Iran. Der Klassiker im Fussballstadion Bahrain?

15 Mar

Auf der Arabischen Halbinsel beginnt die Woche unglaublich.

Am 14. März sind etwa 1000 vornehmlich saudische Truppen über den King-Fahd-Damm in Bahrain einmarschiert. Die bahrainische “Koalition für eine Republik” bestehend aus Aktivisten, Politikern und Organisationen hat sofort gegen diesen De-Facto-Eimarsch in ihr Land protestiert und Unterstützung von der UN verlangt. Die USA wiederum haben sofort in einer Pressekonferenz festgestellt, dass der militärische Eingriff der Halbinsel-Staaten keine Invasion sei.

Interessant. Was ist es denn dann?

Schon vor Wochen sind die Proteste nach ägyptischem Vorbild auch auf Bahrain, den Nachbarstaat Saudi-Arabiens, übergeschwappt. In den westlichen Medien wird jetzt gerne betont, dass das mit dem sunnitischen Königshaus zusammenhänge, welches die vornehmlich schiitische Bevölkerungsmehrheit unterdrücke. Das ist richtig. Richtig ist aber auch, dass es in Bahrain durchaus auch arme Sunniten gibt. Und extrem wohlhabende schiitische Familien, die extrem viel zu verlieren haben.

Grosse Überraschung: Das Hauptproblem liegt auch in Bahrain in politischer und wirtschaftlicher Diskriminierung, mangelnden Perspektiven und ungleicher Verteilung von Wohlstand. Auch wenn sich der Graben zwischen Protestierenden und Konservierenden diesmal circa an der Sunni-Schi’a-Linie bewegt.

Die einmarschierten Truppen sollen nun dem bahrain’schen Königshaus zur Hilfe eilen, um die Protestierenden wieder unter Kontrolle zu bringen. Denn sollte die Situation in Bahrain weiter eskalieren und im schlechtesten Fall nicht nur die Regierung, sondern der Herrscher abtreten müssen, könnte Saudi-Arabien doch ein wenig Angst bekommen: In Nordafrika war der Krempel wenigstens weit weg, und es wurden auch nicht erhabene Herrscherdynastien, sondern korrupte, wahlfälschende Präsidenten beseitigt. Noch fordern die Bahrainer zwar keine Abdankung König Hamad ibn Isa al-Khalifas, sondern die konstitutionelle Einschränkung seiner Macht sowie demokratische Neuerungen. Saudi-Arabien aber hat keine Lust auf eine royale Fortsetzung der republikanischen Experimente in Nordafrika. Auch wenn’s bisher nur um Bahrain geht. Daher die Schützenhilfe.

Auch die USA schlagen sich zumindest jetzt auf die Seite ihres wichtigen Partners Saudi-Arabien. Daher die Behauptung der Nicht-Invasion.

Das ist nicht überraschend, aber vielleicht eine riskante Entscheidung. Iran findet den Einmarsch nämlich eine Mistdee, weil Iran für die Schiiten ist und sowieso alles Mist findet, was Saudi-Arabien betrifft. Ausserdem drohen jetzt Bürger in Oman und Kuwait zu protestieren, sollten ihre Regierungen ebenfalls Truppen schicken um die Anti-Demokratie zu unterstützen. Derweil hat Bahrain heute den Notstand ausgerufen, und angeblich wurde bereits ein saudischer Soldat erschossen.

Bahrains Freiheitsbewegung könnte zum winzigen geostrategischen Fussballfeld verkommen.

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