Äpfel und Beeren vergleichen

15 Aug

Sie sind überall: Auf Strassen, in Cafés, Buchhandlungen, Gemüseshops, Supermärkten und in den Händen nahezu aller business guys und dolls sieht man Blackberries, Jordanien zieht es definitiv dem iPhone vor. Dabei hat es Blackberry ja im Moment ein wenig schwer im Nahen Osten. Wie lässt sich die Liebe und das aktuelle Drama um die Beere erklären?

Erster Akt: Wie im Rest der Welt hatte der Hersteller RIM auch in Saudi-Arabien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten alle E-Mails, die vom Blackberry aus gesendet wurden, schon auf dem Telefon verschlüsselt und über seinen eigenen kanadischen Server geleitet. Die vom Blackberry verschickten Mails lagen also, ebenfalls wie überall auf der Welt, ausserhalb des Radars von lokalen Mobilfunkanbietern und natürlich auch von Regierungen. Das hat den Freund der Blackberry-Verschlüsselung im Nahen Osten denken lassen: ‘Ohne Zuschauer? Da muss was dran sein’. Und so ward das Blackberry das Smartphone erster Wahl im Nahen Osten.

Zweiter Akt: Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich das eine ganze eine Weile lang angeschaut. Vielleicht haben sie selbst auch die Vertraulichkeit dieser Technik geschätzt, wer weiss. Die Kommunikation unterhalb des Radars war ihnen vielleicht aber auch suspekt, und seit dem mysteriösen Zwischenfall in einem Dubaier Hotel im Januar scheinen die Herrschenden beider Länder nun die Nase voll zu haben von konspirativer Kommunikation: In den vergangenen Wochen wurde publik, dass beide Staaten RIM unter Druck setzen, ihnen in irgendeiner Form beim Zugang zu den Daten entgegenzukommen, und auch Indien ist inzwischen auf den Zug aufgesprungen. Wie auch immer sich nun diese Staaten und RIM einigen, interessant ist vor allem folgendes:

Dritter Akt: Die saudische und emiratische Aktion ist natürlich im gesamten Nahen Osten Thema gewesen und befeuerte Debatten rund um Daten, Gedanken und die Besitzer von Gedanken. Dabei klingen die Eckpfeiler der Argumentation interessanterweise ähnlich wie im post-elftemseptemberigen Europa, wenn wieder einmal Freiheit versus Sicherheit abgewägt werden: Regierende sowie einige Zeitungen und Kolumnisten betonen, dass die Verschlüsselungs-Praxis von Blackberry ein Grund für die Anschläge von Mumbai und den Mord in Dubai waren. Den Tätern sei die Planung und Ausführung viel zu leicht gemacht worden, weil sie ja unbeobachtet kommunizieren konnten, und ein Deal mit RIM würde diese happige Sicherheitslücke beseitigen. Andere Zeitungen, Kolumnisten und Kritiker wiederum pochen auf die Bürgerrechte und betonen, dass es in dieser Angelegenheit nicht um irgendein angesagtes Kommunikations-Gadget geht, sondern um die technische Möglichkeit, sich frei und unbeobachtet zu äussern. Im strikten Saudi-Arabien ermöglicht das Mailen übers Blackberry zum Beispiel eine romantische Kontaktaufnahme, die ansonsten sehr schwierig und ausserdem in vielen Fällen illegal wäre: Für Saudis ein Hauptargument pro Blackberry.
In Jordanien hingegen schätzt man die Verschlüsselungs-Technik des Blackberries vor allem deswegen, weil sie eine vertrauliche, unbeobachtete Firmen-Kommunikation gewährleistet. Blackberries sind das Business-Utensil schlechthin. Der neue Mitarbeiter bekommt neben dem Büro mit Blick auf die von Wüstenluft diesige Stadt oft auch ein Blackberry als Firmenhandy in die Hand gedrückt. Und ist dann jederzeit erreichbar. Und kann beim Kaffee nochmal schnell per Mail die vertraulichen Details des Nachmittags-Meetings mit den amerikanischen Investoren festklopfen. Ohne dass die Regierung zuschaut.

Dagegen muss das iPhone natürlich abstinken und wie ein exhibitionistischer Kindergarten wirken.

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